120 Stolpersteine hat der Künstler Gunter Demnig zur Erinnerung an die Offenburger NS-Opfer in unserer Stadt verlegt. Die Steine sind aus Beton gegossen und tragen an der Oberseite eine 10 x 10 Zentimeter große Messingtafel. In diese Tafel stanzt Gunter Demnig mit Hammer und Schlagbuchstaben Folgendes ein: HIER WOHNTE, darunter Name, Geburtsjahr und weitere Daten zum Schicksal jedes einzelnen Opfers. Die Steine werden vor dem ehemaligen Wohnhaus der verfolgten Menschen im Gehweg verlegt. In Offenburg liegen auch drei Stolpersteine vor dem Eingang des Rathauses. Sie tragen die Aufschrift: IN OFFENBURG WOHNTE. Die Namen dreier verfolgter Frauen waren bekannt, aber nicht ihre letzte Adresse vor der Deportation. Im Einvernehmen mit Gunter Demnig und der Stadt Offenburg wurden die Stolpersteine deshalb stellvertretend für den letzten Wohnort der drei Frauen vor dem Offenburger Rathaus verlegt. "Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist", betont Gunter Demnig. Mit den Steinen vor den Häusern will er die Erinnerung an die Menschen lebendig halten, die einst hier wohnten, bevor sie durch Flucht, Festnahme und Deportation von heute auf morgen aus ihrem Lebensumfeld verschwanden. Bis heute hat der Künstler weit mehr als 20 000 Steine in mehr als 500 Ortschaften in Deutschland und mehreren europäischen Ländern verlegt. Für sein Projekt erhielt Gunter Demnig am 4. Oktober 2005 den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland. In diesem Jahr ist er zur Weltausstellung in Shanghai eingeladen und stellt sein Projekt dort im deutschen Pavillon vor. Dass auch in Offenburg Stolpersteine verlegt werden konnten, ist das Verdienst der Offenburger Bürgerin Gerda-Marie Lüttgen. Sie startete 2003 die Initiative "Stolpersteine für Offenburg" und gewann damit nicht nur die volle Unterstützung von Oberbürgermeisterin Edith Schreiner und des Gemeinderats. Auch viele Patinnen und Paten, die mit dem Betrag von 95 € einen Stolperstein gestiftet haben, unterstützen das Projekt. Manche schlagen selbst eine Person vor, für andere macht das Stadtarchiv Vorschläge. Unter den 119 Opfern finden wir Kinder, Jugendliche, Ehepaare und allein lebende Menschen, ältere und auch sehr betagte Opfer, wie die 1854 geborene Rentnerin Jette Weil. Sie wohnte im Vinzentiushaus in der Kornstraße. Im hohen Alter von 86 Jahren deportierten die Nationalsozialisten sie ins Lager nach Gurs/Südfrankreich. Nach mehreren Stationen wurde sie nach Macon deportiert. Dort verstarb Jette Weil 1945. Ein anderer Stolperstein vor dem Gebäude "Hauptstr. 42" erinnert an den 1905 geborenen Stephan Weil, der wie viele psychisch Kranke 1938 in die Pflegeanstalt Illenau, später nach Fußbach gebracht und 1941 im polnischen Cholm (Lublin) umgebracht wurde. Auch dem jüdischen Ehepaar Elias und Rosa Schnurmann sind zwei Stolpersteine gewidmet. Sie führten das gut gehende Schuhgeschäft Valfer-Schnurmann, das 1869 von Israel Valfer am Fischmarkt (im Volksmund „s`Valfer`s Eck“) gegründet wurde. Der Kaufmann Israel Valfer stammte aus Friesenheim und war mit Hannchen Hammel (1844-1912) aus Neufreistett bei Kehl verheiratet. 1879 kam die Tochter Rosa zur Welt, die später den Kaufmann Elias Schnurmann heiratete. 1933 standen auch vor dem Schuhhaus Valfer die Boykottwachen der Nationalsozialisten. Im Gefolge der Novemberpogrome 1938 wurde Elias Schnurmann nach Dachau deportiert, wenig später wieder freigelassen. Das Haus wurde 1939 verkauft ("arisiert"). Im selben Jahr reisten Rosa und Elias Schnurmann nach Luxemburg, in der trügerischen Hoffnung, nun in Sicherheit zu sein. Nach dem Einmarsch deutscher Truppen wurde das Ehepaar nach Theresienstadt deportiert. Elias Schnurmann starb dort 1943, Rosa Schnurmann ein Jahr später. Weitere Informationen: Gerda-Marie Lüttgen Tel. 0781/43029 | | 
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