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Sammlung Gretel Haas-Gerber

Gretel Gerber, 1903 in Offenburg geboren, studierte an der Badischen Landeskunstschule in Karlsruhe und an der Akademie der bildenden Künste in München. Im Spannungsfeld zwischen Neuer Sachlichkeit und kritischem Realismus entstand das Frühwerk, erreichte um 1927/28 eine eigene Bildsprache und einen ersten künstlerischen Höhepunkt. Im Zentrum stehen die Menschen, nicht die vom Glück begünstigten, sondern die, die im Schatten der glanzvollen 20er Jahre lebten: Kinder, Arme, Kranke, Alte. Eine karge, eigenwillige Formensprache und ein äußerst fein moduliertes Kolorit, das sich an die expressive Farbgebung der altdeutschen Meister anlehnt, kennzeichnet die Werke. Die ersten Erfolge endeten jäh, als im Herbst 1933 die nationalsozialistischen Machthaber in der Offenburger Messehalle das Gemälde "Hütemädchen" beschlagnahmten "wegen Verächtlichmachung des Bauernstandes".

Nach einer langen Unterbrechung der künstlerischen Arbeit durch politische Einflussnahme, durch familiäre Umstände und durch den Krieg wandte sich Gretel Haas-Gerber in den 50er Jahren wieder der Kunst zu. Einen Neuanfang wagte sie schließlich mit der Aufnahme eines zweiten Kunststudiums 1969 an der Düsseldorfer Akademie. Große Bildformate und gesellschaftlich-politische Themen kennzeichnen ihre neuen Kompositionen im Stil des kritischen Realismus. "Das große Caféhaus" von 1973 setzt die Extreme der Welt auf schockierende Weise ins Bild: vorne genießen fettleibige Damen Sahnetörtchen, während hinter ihnen die Opfer von Hunger und Krieg die Szene betreten. Expressive Formen prägen die "wilden" 70er Jahre einer Künstlerin, die schon der älteren Generation angehörte, in dieser Zeit aber der zeitgenössischen jungen Kunst zuzurechnen war. Seit 1985 lebte sie wieder in ihrer Heimatstadt und schuf ein außergewöhnliches Alterswerk. Ein Jahr vor ihrem Tod erhielt sie den "Maria-Ensle-Preis" der Kunststiftung Baden-Württemberg.

Das große Caféhaus, 1973

Das malerische und zeichnerische Werk von Gretel Haas-Gerber gehört nach einer Schenkung der Familie in wesentlichen Teilen der Stadt Offenburg. Die Städtische Galerie zeigt in jährlich wechselnden Zusammenstellungen wichtige Bilder aus verschiedenen Werkphasen.

Hütemädchen, 1928

 

Der alte Onkel Hans, 1927


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